THT_band 1 ostalb


Pressebericht zu Band 1 veröffentlicht in
Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse
am 05. Februar 2011

Rommel-Denkmal ein Schandfleck
Dr. Proske fordert bei Vortrag am Buigen-Gymnasium eine Umwidmung

HERBRECHTINGEN.
"Schlimme Täter und ein Held des Widerstands - Heimatkunde des Nationalsozialismus" war ein Vortragsabend überschrieben.
Für ein Aufmerken der 140 Zuhörer sorgten auch Aussagen über Rommel.

Eingangs des von Schulverein und Volkshochschule organisierten Veranstaltung machte Dr. Wolfgang Proske, der Autor des Buches "Täter Helfer Trittbrettfahrer. NS-Belastete von der Ostalb" deutlich, dass es nicht darum gehe zu richten, sondern zu berichten. Anhand von Lebensläufen zeigte der Geschichtslehrer, wie unbehelligt Täter sich in die Nachkriegsgesellschaft bewegen konnten. Jakob Wöger aus Steinheim war als Standesbeamter tief in die Ermordung Behinderter in Grafeneck verstrickt, Johann Haßler aus Dischingen tötete als Gaswagenfahrer Menschen in Lastkraftwagen. Einen Schwerpunkt legte Proske auf den Giengener Erich Ehrlinger, einen hohen Funktionär im Sicherheitsdienst der SS. Der skrupellose Karrierist habe über bestehende Anordnungen hinaus Tausende Erschießungen von Zivilisten angeordnet und an ihnen selbst teilgenommen. Dafür habe er nur eine Haftstrafe von sieben Jahren verbüßen müssen.

Überraschend ging Proske. auch auf Erwin Rommel ein. Dieser sei bis als genialer Soldat oder gar als Widerstandskämpfer verehrt worden, seine unrühmliche Rolle im grausamen Partisanenkrieg in Italien habe man kaum beachtet. Proske bezeichnete das Denkmal des Generalfeldmarschalls in Heidenheim als Schandfleck und regte an, es urnzuwidmen, um an die Insassen des KZ-Außenlagers auf dem Schlossberg zu erinnern.

Manfred Maier, der Sprecher des Georg-Elser-Arbeitskreises in Heidenheim erklärte weshalb dem Hitler-Attentäter so lange die Anerkennung verweigert wurde. Elser, so Maier, "passte in keine Schublade". Auch habe Elser viele beschämt, indem er als einfacher Mann gezeigt habe, dass Widerstand möglich war.

Johannes Josef Miller, Schulleiter des Buigen-Gymnasiums, betonte, wie wichtig es sei, als Nachkommen der Tätergesellschaft an den Nationalsozialismus mahnend zu erinnern.

© Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse

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Leserbrief veröffentlicht zu Band 1 in
Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse
am 17. Februar 2011

Rommel ist kein Vorbild
Zur Diskussion um das Rommel-Denkmal In Heldenheim.

Jetzt mal ganz ehrlich: Ist das Rommel-Denkmal ein Aushangeschild für die Stadt Heidenheim? Als gebürtige Heidenheimerin (Jahrgang '60) war und ist es für mich immer ein Schandfleck gewesen. Und so denken viele Heidenheimer, aber auch Freunde aus Polen und auch die jüngere Generation.

Opfer soilten den höchsten Steilenwert haben, nicht die Tater. Klar habe auch ich eine Tante und ihre zwei kieinen Kinder in Dresden verioren. Meine Vorfahren mussten fiüchten und es war schwer, aber es war nicht zu vergleichen mit dem Leid. das Repräsentanten des verbrecherischen Regimes Unschuldigen antaten. Und Rommel war ein Repräsentant dieses Regimes. Er war zeitlebens ein Parteigänger Hitlers. Ja - Rommel war ein Täter. Auch in meiner Verwandtschaft gab es Täter, dagegen gibt es nun einmal keine Einwande
.
Rommel ist kein Vorbild, für die nachfolgende Generation ist es aber wichtig, die richtigen Vorbilder zu haben. Dazu gehören nicht Rommel, das Afrika-Korps oder Hans Filbinger. Täter haben hier in Heidenheim einem Täter ein Denkmal gesetzt. Wenn Krieg führen "ritterlich" ist (Denkmal), dann muss ich wieder an den Osterhasen glauben.

Karin Plümke, Heidenheim

© Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse

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Kommentar veröffentlicht zu Band 1 in
Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse
am 03. März 2011

Kommentar - Rommeldenkmal
von Silja Kummer

Als Ikone ausgedient

In der Ausseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus....

© Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse

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Rezension zu Band 3 erschienen in
Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse
am 30. Mai 2014
von Holger Scheerer

"Vernichtungskriegstypische Aufgaben"
Dr. Wolfgang Proskes Aufsatz über Erwin Rommel im neuen Band „ Täter Helfer Trittbrettfahrer"

Eine besondere Rolle nimmt im Buch „Täter Helfer Trittbrettfahrer" der bekannteste Sohn der Stadt Heidenheim, Erwin Rommel, ein.
Um dessen internationales Ansehen steht es, wenn man den neuesten Recherchen Dr. Wolfgang Proskes folgen mag, überhaupt nicht mehr gut. Nach wie vor geht dem Geschichtslehrer „Rommels beständige Instrumentalisierung als angeblich unpolitischer Nur-Soldat" gehörig gegen den Strich. Um dieses Bild endgültig zu erschüttern, führt Proske diesmal schweres Geschütz ins Feld.

Da wären zum einen die 1,1 Millionen von der Propagandakompanie Afrika entwickelten Flugblätter eindeutig antisemitischen Inhalts, die von der Luftwaffe im November 1941 abgeworfen wurden. In diesen menschenverachtenden Pamphleten sollte die arabische Bevölkerung gegen die Juden aufgewiegelt werden. Noch schwerer wiegt jedoch das Auftauchen des frisch gebildeten „SS Einsatzkommandos Ägypten" unter SS-Obersturmbannführer Walther Rauft im Juli . 1942 in Libyen. Ein Zusammentreffen Rauffs mit Rommel gilt als unwahrscheinlich (Rommel befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 500 Kilometer entfernt an der ElAlamein- Front), wird von Proske aber auch nicht behauptet. Stattdessen hebt er ab auf ein Treffen Rauffs mit dem damaligen Generalstabsoffizier (la) der Panzerarmee Afrika, Siegfried Westphal, am 20. Juli 1942 in Tobruk. Proske ergeht sich in wilden Spekulationen, was bei diesem ominösen Treffen alles besprochen worden sein könnte. Der Autor kommt zu dem Schluss, es werde sich um „die Aufgabenteilung des SS Sonderkommandos Agypten mit der Wehrmacht" gehandelt haben. Proske folgert: „Die deutsche Mission in Nordafrika erhielt somit vernichtungskriegstypische Aufgaben, selbst wenn das sich vielleicht noch zierende Afrikakorps anfänglich lediglich unterstützende Funktionen erhalten haben mag." Selbstverständlich geht der Autor davon aus, dass Rommel von Westphal über die anstehende Vernichtungspolitik in Afrika unterrichtet worden, also vollumfänglich im Bilde gewesen ist.

Als der einzige Schwachpunkt in Proskes Indizienkette erweist sich letztlich der einzige Zeuge, der sich an dieses Gespräch mit Westphal am 20. Juli 1942 in Tobruk erinnert haben will, nämlich Rauft selbst - eine äußerst zwielichtige Quelle. Bei genauerer Betrachtung und selbst dem größten Wohlwollen gegenüber Proskes Bemühungen mag sich nicht erschließen, mit wem Rauft an jenem Tag in Tobruk gesprochen haben will. Westphal jedenfalls, so viel steht fest, kann es nicht gewesen sein. Dieser war am 1. Juni 1942 durch einen Granatsplitter schwer verwundet worden, befand sich zum Zeitpunkt des vorgeblichen Gesprächs in einem deutschen Lazarett und kehrte erst Mitte August 1942 nach Afrika zurück.

Mit seinen immer wieder auftretenden Phantasiegebilden tut sich Proske auch in seinem erneuten Beitrag über seinen Heidenheimer „Lieblingsnazigeneral" keinen großen Gefallen. Seine Motivation ist klar: In einem ersten Schritt soll der Mythos Rommel, in einem zweiten das dazugehörige Denkmal in Heidenheim gleich mit abgebaut werden. Indes hätte es Proske dabei gar nicht nötig, auf zwielichtige Quellen zurückzugreifen. Wer unbedingt braune Stellen auf der weißen Weste Rommels aufzeigen will, kann auch so in Hülle und Fülle fündig werden. Die positiven Aussagen Rommels über seinen Führer besonders aus den Jahren 1938 bis 1940 sind Legion. Und 1943 zog der edle Krieger ohne viel Skrupel in seine Villa nach Herrlingen ein, deren jüdische Bewohner gerade zwangsdeportiert worden waren. Dass Rommel in stetiger Nähe zum Regime und als. dessen Nutznießer lebte, ist also völlig unbestritten. Die Frage nach Rommels später Rolle im Widerstand, 1944 in der Normandie, bleibt davon letztlich aber unberührt.

© Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse

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